OPEN-SPACE-BÜRO: FUNKTIONIERT DAS KONZEPT WIRKLICH?

 

 

Innenarchitekt Sebastian Lieber findet, dass Großraumbüros eine hervorragende Lösung sein können ­– unter der Voraussetzung, dass sie gut geplant sind und zum Unternehmen passen. Team- und Einzelarbeit muss dabei immer flexibel möglich sein. 

Ist das Großraumbüro das Büro der Zukunft oder ist Arbeiten im „Open Space“ der sichere Weg zu unkonzentrierten Mitarbeitern und unerträglich hohen Geräuschpegeln? Großraumbüros bieten seit Jahren Zünd-Stoff für Diskussionen. Innenarchitekt Sebastian Lieber hat dazu seine eigene Meinung. Er hat viel Erfahrung darin, wie man das meiste aus einem großen Raum herausholt und was nötig ist, um für Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten zu sorgen. Denn das ist gerade im Open-Space-Büro wichtig.

 

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Wir bei POPO sprechen eigentlich nicht von Großraumbüros. Wir kennen große Büros oder große Räume. Wir kennen Team- und Einzelbüros. Aber eigentlich haben wir es immer mit individuellen Grundrissen zu tun. 

Weil Büroräume immer individuell sind, starten wir immer mit einer gründlichen Analyse. Es gibt ja nicht die eine Open-Space-Lösung für jedes Unternehmen, die wir dann aus dem Hut zaubern. Eine Form einfach überzustülpen wäre völlig kontraproduktiv, denn jedes Unternehmen arbeitet ja auch anders. Kürzlich hatten wir einen Kunden, der weder Schrank- noch Aktenfläche brauchte. Da konnte ich die Räume und Flächen natürlich ganz anders planen, als wenn jeder Mitarbeiter fünf Meter Schrankfläche an seinem Arbeitsplatz benötigt.

Raum, Mitarbeiter und Organisationsabläufe müssen zusammen passen.

Das heißt: Am Anfang reden wir erstmal ganz viel. Vor allem mit den Menschen, die am Ende dort arbeiten sollen. Wir fragen das Team und die Chefs: Wie viele Mitarbeiter arbeiten in welchen Bereichen? Welche Technik brauchen sie für ihre Arbeit? Gibt es Mitarbeiter, die unbedingt zusammen sitzen sollen? Wir fragen, wer was wie und wann macht.

Beispiel für ein gelungenes Open-Space-Office Konzept im Hauptsitz von Alnatura // Vitra

Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme

Unsere Bestandsaufnahme und Gespräche mit den Mitarbeitern sind die Basis unserer Planung, wenn wir ein Büro einrichten. Dann überlegen wir, wie wir Arbeitsabläufe optimal organisieren und raumplanerisch umsetzen können. Ein Open-Space-Büro ist nicht automatisch die beste Wahl – auch wenn es im Trend liegt. Das Wichtigste bei der Planung ist, wie schon gesagt, erst einmal richtig zuzuhören. So filtern wir mögliche Probleme frühzeitig heraus. Und dann können wir die Entscheidung für oder gegen Open-Space-Büros ganz fundiert treffen.

Ob Neubau oder Bestandsimmobilie – die sinnvolle Planung des Büros ist das A und O

Für Unternehmen, die anstreben eine neue Bürofläche zu mieten oder einen kompletten Neubau planen, ist es immer sinnvoll, sich so früh wie möglich Beratung an die Hand zu holen. Auf Basis einer Anforderungsanalyse finden wir heraus, was Unternehmen wirklich brauchen und wie sie ihre Wünsche umsetzen können. Der größte Fehler, den man bei einem Neubau machen kann, ist keinen professionellen Rat einzuholen. Das Versäumnis kostet später Zeit und Geld. 

POPO Objektplanung // Offene Bürogestaltung für den Neubau des Fricke Campus 

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Unternehmen brauchen dynamisch nutzbare Flächen

Viele Unternehmen müssen sich dynamisch an wechselnde Anforderungen anpassen: Geschäftsmodelle ändern sich, Home-Office wird immer wichtiger, fest angestellte und freie Mitarbeiter arbeiten in verschiedenen Projekt-Konstellationen zusammen.  Je nach Projekt sitzen Mitarbeiter immer wieder neu zusammen. Ein Projektteam-Arbeitsplatz besteht so zeitweise aus vier oder vielleicht acht Tischen. Oft ist es gewünscht, diese kleine Gruppe innerhalb des großen Raumes abzutrennen. Ist ein Projekt dann abgeschlossen, gibt es Bedarf für eine erneute Änderung des Büros. Dafür brauchen Kunden flexible Lösungen, die sich immer wieder nach Bedarf anpassen lassen. Kurz: Das Beständige ist der Wechsel.

Junge Menschen, die frisch in den Job starten, haben mit flexiblem Arbeiten vielleicht wenig Probleme. Doch manche Arbeitnehmer kommen nicht sofort damit zurecht, wenn es plötzlich keine festen Arbeitsplätze mehr gibt, sondern jeder jederzeit sitzen kann, wo er möchte. Darauf müssen wir natürlich eine Antwort finden und herausfinden, ob es Bedenken gibt und wenn ja, welche.

"Große Flächen können so unterteilt werden, dass das Gemeinschaftsgefühl im Unternehmen steigt, der Austausch und die Kommunikation bleibt und dennoch Privatsphäre am Arbeitsplatz und Rückzugsmöglichkeiten entstehen."

Die Zukunft der Büroarbeit: flexibles Arbeiten

Wir machen uns viele Gedanken, wie das Arbeiten der Zukunft aussieht. Und auch viele Hersteller zeigen auf Messen, wie sie sich das vorstellen: mit modulartig zusammenbaubaren Sofas, die selbstverständlich USB- und Netzwerkanschlüsse haben. Mitarbeiter arbeiten heute nicht nur am Schreibtisch, sondern entspannt auf dem Sofa im Liegen, im Café, auf der Straße oder zu Hause – ganz wie und wann sie eben wollen. Für einige Branchen kann das auch gut funktionieren.

Zum flexiblen Arbeiten gehört mehr als ein Schreibtisch und ein Stuhl. Es ist eine Frage der Infrastruktur: Laptop, vielleicht mobiler Stauraum, in dem wichtiges Material aufbewahrt wird. Und - zack - bewege ich mich an einen anderen Platz. Weil dort mein Kollege heute arbeitet und wir etwas zu besprechen haben – oder einfach, weil ich heute aus einem anderen Fenster gucken möchte. Ich glaube, die Zukunft liegt in offen gestalteten Büroflächen, nicht in strikt in kleine Kisten aufgeteilten Büros.

Der Geräuschpegel ist die große Herausforderung im Großraumbüro – dafür braucht es Mittel und Ideen

Ein Problem von Gruppenbüros ist der Geräuschpegel – ein Argument, das Kritiker von Open Spaces meistens zuallererst bringen. Der erste Impuls bei hoher Lärmbelastung ist: Wir brauchen Platz für Konzentrationsarbeit. Meistens kriegt man das direkt am Arbeitsplatz aber nicht hin, denn akustische Maßnahmen haben nicht den gleichen Effekt wie ein Einzelbüro. Dann liegt der Gedanke nahe, irgendwo einen Bereich zu schaffen, an dem sich Mitarbeiter zurückziehen können, um wie in einem Einzelbüro konzentriert arbeiten zu können.

 

Rückzugsarbeitsplätze für ruhiges, konzentriertes Arbeiten im Open-Space-Büro einrichten

Das ist bei uns ja auch nicht anders. Bei POPO haben wir unsere Arbeitsplätze direkt in der Möbelausstellung. Wenn sich Kunden über Büromöbel informieren wollen, kommen sie deshalb bis zu uns an die Schreibtische, weil wir hier die Möbel zeigen, die wir täglich benutzen. Das ist einerseits klasse und sicherlich sehr überzeugend – es kann für uns Mitarbeiter aber auch schwierig sein, mitten in der Konzentration gestört zu werden. Viele Unternehmen richten deshalb Rückzugsarbeitsplätze ein, in einem Bereich, wo für alle klar ist: Hier werde ich nicht angesprochen, sondern kann ungestört arbeiten. Oft müssen Mitarbeiter aber erst lernen, dieses Angebot selbstverständlich in Anspruch zu nehmen. Und das Team muss verstehen, dass es diese Ruhebereiche gibt – und braucht.

Bei POPO sind wir auf flexible Arbeitsplätze umgestiegen. Dafür werden alle Arbeitsplätze gleich ausgestattet, sodass Mitarbeiter sich überall mit ihren Laptops hinsetzen und ihr Telefon anmelden können. Wir wollen auch nach und nach zum papierlosen Büro werden und nur noch digital arbeiten. Schlussendlich kann sich jeder mit seinem Laptop auch irgendwo in die Ausstellung setzen und dort arbeiten.

Geräuschabsorbierende Möbel lösen Akustikprobleme 

Es gibt auch Möbel mit akustisch wirksamen Fronten. Zum Beispiel mit Löchern perforierte Schrankfronten, hinter denen eine schallabsorbierende Konstruktion steckt. Das kann schon eine Verbesserung bringen. Aber wenn man Akustik von der physikalischen Seite aus betrachtet: Es braucht einfach Masse, um Schallwellen zu absorbieren. Dann helfen eher flexible Wände, die es in verschiedenen Stärken und mit unterschiedlichen Funktionen gibt. Die Wände haben eine Filzbespannung und sind mit einem schallabsorbierenden Material gefüllt. Die Wand lässt sich auch nutzen, um Dinge anzuheften. Durch die haptische Oberfläche erhält die Raumarchitektur, etwa bei Betonwänden, zusätzlich einen schönen Kontrast.

Im Open-Space-Büro wünschen sich Mitarbeiter oft mehr Wohnlichkeit


Unser Ziel ist es, alle mitzunehmen bei einem neuem Büro-Konzept. Alle sollen sich wohlfühlen, dann sind sie leistungsfähiger und letztlich auch produktiver für die Firma. Ein Büro ist ein Arbeits- und Lebensraum zugleich. Deshalb lassen wir bei der Gestaltung auch die emotionalen und sozialen Bedürfnisse der Angestellten einfließen. Denn: Am Arbeitsplatz verbringen Menschen eine Menge Zeit und viele haben deshalb den Wunsch nach Individualisierung und Eigengestaltung. Dazu stehen manchmal die Wünsche des Unternehmens im Gegensatz.

Da muss ich direkt an einen Werksbesuch bei einem großen Automobilhersteller denken. Das Werk ist von einer berühmten Architektin gebaut worden und hat eine ziemlich spektakuläre Besonderheit: Die fertiggestellten Karossen laufen dort an der Decke entlang durch die Büroräume zur Lackierung. Das ist total cool anzusehen und das Büro ist natürlich für Führungen geöffnet. Aber das Unternehmen hat beschlossen, dass die Mitarbeiter dort nicht ihre eigenen Topfpflanzen aufstellen oder Familienfotos aufhängen dürfen. Es gab zwar einen riesigen Protest, aber für das Unternehmen ging die gute Optik vor. Ich finde, das Ziel eines neuen Bürokonzeptes muss sollte immer ein gutes Design und ein wohnliches Arbeitsumfeld verbinden. Ich denke, dass ist gut für die Mitarbeiter und das Unternehmen.

 

"Das Ziel jedes Bürokonzepts ist für mich, beides miteinander zu verbinden: gutes Design und ein wohnliches Arbeitsumfeld."

Bei Möbeln gibt es Standards, zum Beispiel die Maße einer klassischen Tischplatte. Aber bei Räumen kennen wir keine Standardlösungen, sondern suchen immer nach neuen Möglichkeiten. Es kommt auf die Architektur an und darauf, was die Fläche hergibt, aber oft bringen erst innovative Ideen die Lösung. Manche Kunden platzieren heute beispielsweise eine Telefonzelle im Büro. Dort können Mitarbeiter in Ruhe wichtige Telefonate führen, ohne die Kollegen durch Lautstärke zu stören. Ich persönlich brauche auch die Möglichkeit, mich zu bewegen, ein paar Schritte zu gehen und von der sitzenden Tätigkeit wegzukommen.

Raumaufteilung geht natürlich auch anders: Auch mit Glas kann ich einen kleinen Raum so abteilen, dass Kollegen nicht das Gefühl haben, in einem engen Büro zu sitzen. Dennoch bekommen sie nicht so viel von den anderen mit.

In unseren Projekten haben wir so viele verschiedene Lösungen entwickelt, das ist immer auch eine Inspirationsquelle für neue Räumlichkeiten, die wir planen dürfen. Wir freuen uns immer, wenn Kunden uns erzählen, wie der Büroalltag nun aussieht. Daran sehen wir dann, dass die genaue Planung sich gelohnt hat. Denn darum geht es ja: wie der Raum das Team bei seiner Arbeit unterstützt. 

> Fotos: Hersteller & POPO-Archiv, POPO TEAM: Thilo Müller  
3D-Visualisierung: Patrick Drescher //

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