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Sonntag, 12. März 2017

Presseartikel im Weser Kurier

Made in Bremen!

Ungewöhnliche Möbelstücke bei POPO im Viertel

 

 

POPO im Weser Kurier am 12.03.2017:

Horst und Lars Dierking, Vater und Sohn, sind Geschäftsführer des Inneneinrichters POPO. In diesem Geschäft im Viertel werden seit mehr als 40 Jahren ungewöhnliche Möbelstücke verkauft.

In der Werkstatt hier Auf den Häfen ist alles klein. Kleine Stühle, kleine Lampen, kleine Tische. Ganze Räume, sogar Etagen und Wohnungen entstehen hier und werden mit winzigen Möbelstücken ausgestattet. Was auf den ersten Blick wie eine Puppenstube wirken mag, hat mit Spielzeug rein gar nichts zu tun: Diese kleinen Welten sind Verkaufsargumente. Sie unterstützen Horst und Lars Dierking dabei, ihren Kunden das Unvorstellbare vorstellbar zu machen. Die Häuser oder Büros der Kunden in Miniaturformat komplett eingerichtet mit Stühlen, Lampen, Tischen und allen nur erdenklichen Möbelstücken aus dem Sortiment der POPO Sitzmöbel und Stehschränke GmbH. Für die Mitarbeiter des Inneneinrichters bedeutet das in solchen Fällen: erst planen, dann basteln. Lasercutter und 3D-Drucker helfen dabei.

In dem Laden der beiden Geschäftsführer, Vater und Sohn, geht es viel um Visualisierung. Ums Fühlen, ums Ausprobieren. Oft hätten sich Kunden im Internet in ein Möbelstück verliebt, sagt Lars Dierking. „Aber bevor sie Geld ausgeben, wollen sie es sich noch einmal in der Realität ansehen.“ Bei Popo und den angeschlossenen beiden Läden, in denen das Unternehmen die Kollektionen des bayerischen Designers Nils Holger Moormann und des dänischen Herstellers Hay zeigt, ist das möglich. Auf zusammengenommen 1500 Quadratmetern gibt es mehr als 200 Marken zu sehen. Wer tatsächlich jedes Möbelstück austesten möchte, muss Entdeckergeist mitbringen: Das Inneneinrichtungsgeschäft erstreckt sich über mehrere Etagen, die Räume liegen teils verwinkelt ein paar Treppenstufen nach oben oder nach unten. Selbst der Keller steht voll mit Stühlen.

Mit Stühlen begann einst das Geschäft von POPO. Wer sich heute immer noch über den Namen des alteingesessenen Bremer Unternehmens wundert: Dieser entstand in einer Kneipennacht Mitte der 1970er-Jahre nach einem Vorschlag einer guten Bekannten. „Ihr macht doch Sitzmöbel – warum nennt ihr euch nicht POPO?“ Gesagt, getan. Ähnlich humoristisch ging es mit den Slogans weiter, mit denen zunächst für den Möbelladen geworben wurde: „Setz dich auf unsere vier Buchstaben“ hieß es damals. Und mit „Bremen, Mailand, Menslage, New York“ zeigten sich die Firmeninhaber – natürlich voll Selbstironie – kosmopolitisch. Menslage ist der Heimatort von Horst Dierking.

Der Erfolg stellte sich durch Zufall ein

Dierking kam als Lehrling nach Bremen. Anschließend ließ er sich an der Hochschule für Künste im Bereich Innenarchitektur ausbilden und lernte dabei Siegfried Schelbach kennen. Die beiden Kumpel beschlossen, sich mit einem kleinen Versand-Programm basierend auf einem eigens erdachten Regal-Schränke-Sofa-System selbstständig zu machen. Die ersten Wochen und Monate in dem angemieteten 70 Quadratmeter großen Ladenlokal liefen allerdings alles andere als erfolgreich. Doch der Zufall wollte es, dass sich der Erfolg einstellte: Ein Studienfreund bestellte über Schelbach und Dierking ein Sofa aus Italien. Weil dieser Freund aber im Urlaub war, als das Möbelstück geliefert wurde, präsentierten die Geschäftspartner es einfach in ihrem Schaufenster – noch am selben Vormittag wechselte das Sofa für 1700 D-Mark den Besitzer. Italienisches Design, das sollte zunächst Schwerpunkt des Popo-Teams werden 

Struktur in das noch junge Unternehmen brachte Mitte der 1980er-Jahre Kurt Neuefeind. Er kümmerte sich als Betriebswirt um die Zahlen und löste Schelbach später als Geschäftspartner ab. „Ohne ihn würden wir heute nicht da sein, wo wir sind“, sagt Dierking über Neuefeind, der vor ein paar Jahren aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. In den darauffolgenden Jahren wurde das Geschäft immer größer, die Kunden kamen von immer weiter entfernt. Veröffentlichungen in Wochenzeitschriften brachten weitere Aufmerksamkeit, ließen das Netzwerk wachsen. Und schließlich gab es erste Anfragen, ob  Popo nicht auch Büros ausstatten könnte – ein Geschäft, das bis heute einen der Schwerpunkte bildet.

Ortswechsel. Dierking hat es sich mit Sohn Lars, gelernter Produkt- und Industriedesigner und seit vier Jahren als zweiter Geschäftsführer im Unternehmen, im ersten Stock an einem mehrere Meter langen Tisch bequem gemacht. Dieser ist aus Planken zusammengesetzt, blau, grün, schwarz, weiß, braun. Ein Einzelstück, erzählen die beiden Firmeninhaber. Der niederländische Designer Piet Hein Eek hat sich unter anderem auf Upcycling spezialisiert, verwendet also Materialien, die vorher schon einmal verbaut waren. Es sind Möbelstücke wie dieser – nicht ganz preiswerte – Tisch, die die Kunden bei Popo anschauen, anfassen, austesten können.

Planung nach Kundenwunsch

Wie die Produkte später bei den Kunden im Raum wirken, dafür sind die mittlerweile 30 Mitarbeiter des Unternehmens zuständig. Viele von ihnen Innenarchitekten, aber auch Architekten oder ganz klassisch Verkäufer. Sie sitzen in einem offenen Bereich des Ladengeschäfts und planen von dort aus nach Kundenwunsch. Gerade erst habe es eine Anfrage aus Jerusalem gegeben, erzählt Dierking. Ein paar Tage ist es her, da waren die Kunden im Viertel, um mit dem POPO-Team über die Zeichnungen und Pläne zu beraten. Auch ein Ferienhaus auf Ibiza gehörte zu den jüngeren Projekten. Großaufträge wie diese brauchen Zeit, sagt Horst Dierking. Bis zu drei Monate kann es von der ersten Idee bis zum Bestellen der Möbel dauern.

Als „Gemischtwarenladen“ bezeichnen die Dierkings ihr Geschäft heute. Auch, weil sie sich zum Ziel gesetzt haben, bremenweit als Erste besondere Möbelstücke zu zeigen. Nicht immer trifft POPO damit den Geschmack der Kunden. Da gibt es zum Beispiel einen Stuhl, der sich aus vielen verschiedenen einzelnen Holzstückchen zusammensetzt. Nicht unbedingt bequem sei der, gibt Horst Dierking zu und schmunzelt. So verwundert es nicht, dass das Popo-Team diesen in der Vergangenheit nur einmal verkaufen konnte. „Macht nichts“, schiebt der Geschäftsführer hinterher, „manche Möbel sind eben mehr Kunst als nützlich.“

Betreten Kunden das Geschäft, um ihr Zuhause neu einzurichten, dann sieht Horst Dierking seine Rolle als Berater. Einer der interessantesten Räume, erzählt er, sei der, in dem Matratzen ausprobiert werden könnten. Ein Klassiker: Die Frau verlange von ihrem Partner, dieser solle probeliegen und sich dann für eine der Matratzen entscheiden. Der Mann bemerke aber keinen Unterschied zwischen den Matratzen und wolle stattdessen nach dem Preis entscheiden. Das wiederum mache die Frau zunehmend wütend. „Die Dialoge, die in dem Raum stattfinden, sind zum Teil einmalig“, sagt Dierking. Einmischen würde er sich in solch heiklen Situationen natürlich nicht.

Das Internet bewegt auch POPO

Anders als vielleicht bei den Privatkunden schaltet sich der Geschäftsführer im Projektgeschäft aber mehr ein. Will eine Firma ihre Büroräume neu gestaltet haben, dann liege ein Teil der Verantwortung, dass sich die Mitarbeiter am Ende auch wohlfühlen, schließlich bei ihm, sagt Dierking. Das könne am Ende sogar den Ausschlag geben, ob sich ein Bewerber für einen Arbeitsplatz entscheide – oder eben dagegen.

Das Büro sieht nach Angaben der POPO-Inhaber heute übrigens anders aus als noch vor ein paar Jahren: Immer mehr Wohnmöbel halten Einzug an die Arbeitsplätze. Küchen oder Sofas sind heute längst zur Normalität geworden. Die Gestaltungsideen der Bremer sind nach eigenen Angaben etwa im Verwaltungsgebäude der BLG, in den Büroräumen von Mondelez oder in einer Gäste- und Seminaretage der Deka-Bank zu finden. Viele Kunden sind Mittelständler.

Es ist auch diese Art der Beratung, die POPO laut den Dierkings von der Online-Konkurrenz unterscheidet. „Das Internet macht uns nicht zu schaffen, aber es bewegt uns“, sagt Horst Dierking, der mittlerweile 66 ist, sich in absehbarer Zeit aber noch nicht aus seinem Geschäft zurückziehen möchte. Viele Kunden, die seinen Laden besuchten, seien schon gut informiert. „Aber den Service, die Planung, das Know-how und die Möglichkeit, unsere Möbel auszuleihen und zu Hause auszutesten, unterscheidet uns.“ Besonders gut laufen die Geschäfte nach Angaben des Ladeninhabers im Übrigen, wenn die Aktienkurse besonders hoch oder die Zinsen besonders niedrig sind. Es sind gute Zeiten für POPO.

http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-politik-wirtschaft_artikel,-ungewoehnliche-moebelstuecke-bei-popo-im-viertel-_arid,1565598.html

 

 

 

 

 

Lars Dierking (r.) ist mit dem Möbelgeschäft seines Vaters Horst aufgewachsen. Obwohl er es nie geplant hatte, ist er seit vier Jahren Teil der Geschäftsführung.  (Christina Kuhaupt)


 

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